Save your Internet – Nein zu Uploadfiltern

Uploadfilter. Artikel 13. Diese Wörter geistern durch Youtube, Facebook und co. und hinterlassen einen bedrohlichen Nachhall. Wird Youtube abgeschafft? Sind Memes und Gifs bald verboten? Wenn es nach mir geht sicher nicht. Ich möchte das Internet und die sozialen Netzwerke bewahren. Hier tauschen sich Menschen aus und werden kreativ. Gemeinsam mit jungen Leuten aus ganz Europa werde ich mich für die Freiheit im Internet einsetzen. Die Jugend verdient es, endlich gehört zu werden.

Wir brauchen ein freies Internet

Freiheit ist für uns selbstverständlich. Ich verstehe unter dem Wort Freiheit vor allem, dass ich mich frei ausleben kann, dass ich meine Meinung äußern darf, dass ich schreiben, malen, singen darf, was ich will.

Das gilt für uns in Europa überall. Ob in Kroatien, Spanien, Polen oder in Schweden: wenn ich spontan Lust habe, “Bella ciao” auf offener Straße zu singen, dann klingt das bei mir vielleicht sehr schräg. Hindern darf man mich aber nicht. Wo kämen wir da denn hin?

Umso mehr muss das auch im Internet gelten. Schließlich ist das Internet ja auch öffentlicher Raum. Nur durch Freiheit können wir die Person sein, die wir wirklich sind. Wenn ich mein Video oder auch nur mein Katzen-Meme hochlade, ist das genau so mein Recht, wie einen kritischen Blog zu Trump oder zu Waffenlieferungen zu schreiben oder eben auf der Straße zu singen.

Unsere Welt wächst durch das Internet zusammen. Unsere Freiheit muss mitwachsen.

Was ist Artikel 13?

Eine gute Frage wie ich finde! Und in den Wirren der aktuellen Debatte wichtig zu klären. Im Grunde regelt Artikel 13 die Frage, wer haftet, wenn beispielsweise ein Youtuber Musik oder Filmausschnitte benutzt, die er nicht benutzen darf. Bisher musste Youtube Videos löschen, sobald von ein Verstoß gegen diese Nutzungsrechte bekannt wurde.

Diese weiche Regelung wird durch Artikel 13 verändert. Nun soll Youtube sofort haften, wenn Videos ohne Nutzungsrechte hochgeladen werden.

Was sich im ersten Moment gut anhört, hat aber auch Nachteile. Youtube hat ein Interesse daran, Videos, die solches Material enthalten, gar nicht erst hochgeladen werden. Es gibt nämlich für Youtube zwei Optionen. Nummer 1 ist, mit allen Rechteinhabern an Musik oder Film auf der Welt Verträge zu schließen. Das ist richtig teuer und der Grund, warum Plattformen wie Youtube und Google Artikel 13 verhindern wollen. Teuer, aber weit billiger ist Option 2. Verhindern, dass Videos, die Rechte verletzen, überhaupt online gehen.

Wenn solche Videos nicht online gehen, dann kann Youtube auch nicht verklagt werden. Die Lösung wäre also, jedes Video zu kontrollieren, dass auf Youtube eingestellt werden soll. Es gibt nur ein kleines Problem: jede Minute werden 400 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen.

Kein Team der Welt, und sei es noch so groß, kann diese riesige Menge an Videos kontrollieren. Youtube muss sich also eine andere Lösung suchen. Das sind die sogenannten “Uploadfilter”. Sie gleichen in sekundenschnelle das neue Material mit geschützter Musik und Videos ab. Findet dieser Algorithmus eine Übereinstimmung, dann darf das Video nicht hochgeladen werden. Zwar steht im Artikel 13 wörtlich kein “Uploadfilter” drin. Doch alle Experten sind sich einig, dass Kontrolle bei der Menge an Daten nicht anders funktionieren kann. Die Uploadfilter sind also im Artikel 13 enthalten. So oder so.

Internetplattformen auf der einen Seite wollen also kein Geld dafür bezahlen, dass bei ihnen geschützte Musik und Filme gezeigt werden. Die Unterhaltungskonzerne andererseits wollen natürlich Geld dafür haben.

Mir ist dabei wichtig, dass nicht die am Ende den Preis für diesen Streit zahlen müssen, die das Internet erst zu dem machen, was es ist. Das sind nämlich die User, die Leute, die täglich Videos drehen, Texte hochladen Musik machen. Und natürlich auch die Leute, die wie du und ich täglich im Internet unterwegs sind und sich diese Sachen angucken.

Warum ich gegen Uploadfilter bin

Ich finde eine Lösung durch “Uploadfilter” schlecht. Stellt euch folgendes vor: ihr seid unterwegs, zum Beispiel in einem Café und macht eine Insta-Story, während im Hintergrund Musik läuft. Bis heute kein Problem, mit Artikel 13 aber schon. Ihr habt nämlich nicht die Rechte an dieser Musik. Also dürft ihr die Story nicht hochladen.

Die beiden Beispiele von Youtube und Instagram zeigen doch ganz eindeutig, dass der Artikel 13 auch eure Meinungs- und Kunstfreiheit einschränkt.

Meine feste Überzeugung ist, dass niemand uns diese Freiheit nehmen darf! Deswegen kämpfen ich und viele andere SPD-Abgeordnete gegen Artikel 13. Natürlich ist es uns wichtig, dass Künstler für ihre Kunst auch Geld bekommen. Aber nicht auf Kosten unserer aller Freiheit.

(Ich habe noch eine weitere Sorge. Die Entwicklung eines Uploadfilters ist sehr teuer. Sollte Artikel 13 also kommen, müssen alle Plattformen diese Filter in ihre Systeme einbauen. Start-Ups und neue Social-Media-Plattformen bräuchten diese Algorithmen also ebenfalls. Sie haben aber nicht genug Geld, um solche zu entwickeln. Uploadfilter verhindern somit auch die Gründung neuer Plattformen und stören so auch die Freiheit von jungen Gründerinnen und Gründern.)

Geistiges Eigentum schützen, freies Internet bewahren

Die Gründe für die Reform der Gesetze der EU unterstützt im Grundsatz auch die SPD. Die Musikerin soll von ihrer Musik leben können. Wer mit viel Mühe einen Film dreht, darf darüber entscheiden, wo er gezeigt wird und ob es etwas kostet. Da Musik und Film von dem jeweiligen Menschen erst erschaffen wurden, sind sie deren geistiges Eigentum.

Deshalb verkaufen Künstler die Rechte an ihrer Musik oder ihren Filmen. So können sie entscheiden, wer hören oder ansehen darf und verdienen mit ihrer Kunst Geld. Wenn du ins Kino gehst, funktioniert das genau gleich. Das Kino zahlt den Filmproduzenten Geld dafür, dass es den Film überhaupt zeigen darf, den du dir dann gemütlich mit Kola und Popcorn anschaust.

Das finde ich eigentlich gut, denn jeder soll von seiner Kunst auf Leben können.

Im Gegensatz zu den Konservativen ist uns das Internet und die Freiheit aller Nutzerinnen und Nutzer aber extrem wichtig. Deswegen setze ich mich für eine Lösung ein, die User-generated-content im Internet weiterhin möglich macht und die Künstlerinnen und Künstler nicht benachteiligt. Dafür müssen wir entweder Artikel 13 ganz streichen, oder aber dafür sorgen, dass für User-generated-content Ausnahmen gemacht werden.

Das Internet ist kreativ, millionen Menschen erzählen dort täglich Geschichten, schreiben ihre Meinung oder zeigen dir, wie du dein Handy reparierst oder ein Bild malst. Nur durch diese Menschen wird das Internet lebendig. Ich will, dass das auch so bleibt.

Was können wir jetzt tun, um “Uploadfilter” zu verhindern?

Da fragst du mich? Du machst das doch schon genau richtig! Auf die Straße gehen, die eigene Meinung sagen, fordern, dass sich Dinge ändern. Ich jedenfalls werde das tun. In einer Demokratie hat jede und jeder die Möglichkeit, sich einzubringen und mitzuentscheiden. Dazu hast du am 26. Mai einmal mehr die Chance. Da ist die Europawahl und du kannst entscheiden, wer für dich im Europäischen Parlament sitzt. Die Konservativen, die die Uploadfilter wollen? Denen die Gefühle einer ganzen Generation egal sind? Oder vielleicht doch lieber jemand, der für deine, für unsere Freiheit eintritt. Damit das Internet weiterhin ein Raum bleibt, den du selbst gestalten kannst.